Dicke Beute

»Die Bienenwohnung sei dem Bien genehm und dem Imker bequem.« Ferdinand Gerstung

Motivation: Jede einzelne Biene verbringt etwa 97% bis weit über 99% ihrer Lebenszeit innerhalb der Beute. Die Lebensbedingungen in der Beute sollen insgesamt so gestaltet werden, dass der Bien möglichst naturnah leben kann und wenig Stressfaktoren (Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Oberflächen, Mitbewohner) hat.

Ziel: In der Beute können die Bienen ihr Klima (Temperatur, Feuchtigkeit) und die Oberflächen selbst regulieren und unterliegen - wie im Baum - nur sehr geringen Einflüssen von außen.

Gute Isolation, raue Innen-Oberfläche. Randbedingung: Einzelaufstellung, freie Aufstellung möglich (nicht überdacht)

Sammlung von Prinzipien, kein fertiger Bauplan. Alles schon mal da gewesen, nichts ist neu erfunden!

Prinzipien

Feststehende Prinzipien

  1. Nur natürliche Materialien: massives Holz, unbehandelt, keine Oberflächenbehandlung (Streichen), kein Metall, kein Kunststoff, keine lösemittelhaltigen Leime
  2. Dicke Wandstärke, so dass besonders im Winter eine sehr gute Isolation gewährleistet ist, 4 cm? 6 cm? mehr?
  3. Innenwand rau, damit die Bienen sie mit Propolis (Kittharz) auskleiden können
  4. Diffusionsoffener Deckel (ähnlich dem sogenannten Kissen bei der Warré-Beute/Volksbeute)
  5. Unterlüftetes Dach, so dass die Feuchtigkeit von der Oberseite des Deckels vom Wind weggetragen werden kann

Weniger feste Prinzipien

Die massive, haltbare Bauweise ist bei standortfester Bienenhaltung für uns Imker von Vorteil, zumindestens aber kein Nachteil.

Aufbau

Eine Dicke Beute wird meist aus drei Bauteilen bestehen:

  1. Beutenkörper
  2. dämmender, diffusionsoffener Deckel (»Kissen«/»Schapka«)
  3. Dach

Dach fest und zugleich einfach lösbar mit dem Beutenkörper verbinden(, damit es bei Wind nicht wegfliegt).

Konkrete Maße und Aufbau können unterschiedlich ausfallen (Größe, Rähmchenmaß, verwendetes Holz).

Mögliche Varianten

Die Beutenwände können mit Holznägeln verbunden, tischlermäßig verzinkt/genutet oder mit natürlichem Leim (z.B. Kaseinleim) verbunden werden.

Der Boden kann fest mit dem Beutenkörper verbunden sein. Oder die 4 Wände werden ähnlich einer Zarge bei Magazinbeuten auf den einzelnen Boden aufgestellt; durch das Eigengewicht wird das sicher stehen.

Eine Revisionsöffnung unten hinten könnte sinnvoll sein.

Der Dachüberstand kann geringer ausfallen. Es ist auch ein Pultdach denkbar. Ein Flachdach kommt meines Erachtens wegen der Gefahr stehenden Wassers nicht in Frage. Je steiler das Dach, desto weniger »plattert« der Regen und desto besser läuft Schwitzwasser innen ab.

Bedachung: Holz-Schindeln (Lärche) oder (unbesäumte) Bretter oder Birkenrinde oder Schilf (Reet); die Dachschicht muss vermutlich am ehesten mal erneuert werden, da sie Wind und Wetter ausgesetzt ist

Größe: Als Ablegerbox (Beute für ein junges Volk) mit etwa 40 Litern Rauminhalt / 10 Rähmchen oder als Dauerwohnung mit etwa 60-80 Litern Rauminhalt

Wärmedämmung, Kältebrücken, Material

Weymouths-Kiefer: Das Holz der Weymouths-Kiefer ist leichter (geringere Dichte), isoliert besser und verzieht sich weniger als z.B. Kiefern- oder Fichtenholz.

»Schapka« = Rahmen mit Dämmkissen: Füllung kann z.B. Schafwolle, Hobelspäne, Kapok, Hanf sein.

Metall (Schrauben, Nägel) weitestgehend vermeiden, um Kältebrücken auszuschließen.

Stand: 16. Oktober 2019, Andrej Barth, Kontakt-Email